Hauptfachabteilung Allgemein-, Viszeral- und Gefässchirurgie

Enddarmvorfall (Rektumprolaps)

Zertifiziertes Kompetenzzentrum für Chirurgische Koloproktologie

Der sogenannte „Beckenboden“ ist ein komplexes System aus Muskeln und Bändern, das die Bauchhöhle nach unten abschließt. Durch ganz unterschiedliche Einflüsse wie schwere Geburten in der Vorgeschichte, Voroperationen (zum Beispiel Entfernung der Gebärmutter) oder eine Bindegewebsschwäche kann es zu einer Störung in diesem System kommen.

In der Folge tritt unter Umständen ein Vorfall der Blase, der Gebärmutter oder auch des Enddarms auf. In letzterem Fall rutschen komplette Enddarmanteile über den After nach außen. Der medizinische Fachausdruck hierfür lautet  „Rektumprolaps“.

Symptome

Den meisten Patienten fällt beim Stuhlgang auf, dass Darmanteile aus dem After heraustreten. Häufig bestehen eine Verstopfungsneigung und ein Stuhlschmieren bis hin zu dem Unvermögen, den Stuhlgang halten zu können. Zudem können Schmerzen im Bereich des Afters auftreten.

Diagnose

Viele Patienten stellen sich bei uns vor während die Enddarmanteile vorgefallen sind. Dann kann die Erkrankung allein durch das Betrachten festgestellt werden. In allen anderen Fällen lässt sich der Vorfall durch Pressen hervorrufen. Zur weiteren Abklärung führen wir eine sogenannte „Enddarmspiegelung“ (Rektoskopie) durch. Hierbei werden die Afterregion und die letzten 10 zehn 15 Zentimeter des Enddarms untersucht. In manchen Fällen erfolgt auch eine spezielle Kernspintomographie (MRT) des Beckens. Vor jeglicher Therapie muss zudem eine komplette Darmspiegelung durchgeführt werden.

Operationsverfahren

Die sinnvollste Möglichkeit, den Enddarmvorfall zu beheben, ist die Operation. Ziel ist hierbei, die überschüssigen Darmanteile zu entfernen und den Enddarm so festzunähen, dass es nicht mehr zu einem Vorfall kommen kann. Als Standardverfahren führen wir die Operation mit kleinen Schnitten über eine Bauchspiegelung (laparoskopische Resektionsrektopexie) durch. Sollte die Bauchspiegelung zum Beispiel bei starken Verwachsungen nicht möglich sein, erfolgt der Eingriff über einen Bauchschnitt (konventionelle Resektionsrektopexie). Für manche Patienten, etwa bei einem sehr hohen Alter und vielen Nebenerkrankungen, wären diese Eingriffe zu belastend. In diesen Fällen führen wir eine Operation rein über den After durch.

Je nach der Schließmuskelfunktion vor der Operation können die Eingriffe auch mit der Anlage eines künstlichen Darmausgangs kombiniert werden.

Dr. Detlef SchoenenChefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie

Operationen am Dickdarm werden in unserer Klinik häufig und mit hoher Qualität durchgeführt. Wir sind daher als entsprechendes Kompetenzzentrum durch die Fachgesellschaften zertifiziert.

Operationsverfahren im Detail

  • Operation über eine Bauchspiegelung (laparoskopische Resektionsrektopexie): Über mehrere ein bis zwei Zentimeter lange Schnitte werden eine HD-Kamera und verschiedene Arbeitsinstrumente eingeführt. Anschließend wird der S-förmige Dickdarmabschnitt und der obere Anteil des Enddarms abgetrennt und über einen Schnitt knapp oberhalb des Schambeins aus der Bauchhöhle entfernt. Der verbliebene Enddarm wird mit speziellen Nähten am Kreuzbein festgenäht und gelegentlich zusätzlich ein Netz zur Stabilisierung eingebracht. Die Darmenden werden dann mit einem speziellen Klammernahtgerät wieder verbunden. Alternativ kann auch bei einer sehr schlechten Schließmuskelfunktion ein künstlicher Darmausgang angelegt werden.
  • Operation über einen Bauchschnitt (konventionelle Resektionsrektopexie): Nach einem Schnitt in der Mittellinie am Bauchnabel vorbei wird zunächst die Bauchhöhle untersucht. Anschließend werden der S-förmige Dickdarmabschnitt und der obere Anteil des Enddarms entfernt. Der verbliebene Enddarm wird mit speziellen Nähten am Kreuzbein festgenäht.  Die Darmenden werden mit einem speziellen Klammernahtgerät wieder verbunden. Alternativ kann auch bei einer sehr schlechten Schließmuskelfunktion ein künstlicher Darmausgang angelegt werden.
  • Operation über den After: Für manche Patienten sind die bisher aufgeführten Operationsverfahren zu belastend. In diesem Falle wird eine Operation rein über den After durchgeführt. Im Bereich der hervorgetretenen Enddarmanteile wird entweder die gesamte Darmwand (Operation nach Altemeier) oder nur die Schleimhaut (Operation nach Delorme) entfernt. Die verbliebenen Dramanteile werden dann miteinander vernäht. Bei diesen Methoden kann es jedoch im Vergleich zu den anderen Verfahren häufiger zu einem Wiederauftreten der Erkrankung kommen.